Tagebuch-bloggen 04.11.2015


Was machst Du eigentlich so den ganzen Tag? Das fragt nicht nur manchmal mein Mann, auch Familie, Freunde und Bekannte können sich häufig nicht vorstellen, wie der Tagesablauf so aussieht, wenn man als geringfügig Beschäftigte vom Heimarbeitsplatz aus arbeitet, nebenberuflich Trageberatungen und Handgenähtes anbietet und auch noch drei Kinder, einen Hund und einen Haushalt samt großem Garten zu versorgen hat. Einen kleinen Einblick, wie das mit der #Vereinbarkeit bei mir so läuft, wird es hier ab und an in Form von solchen Tagebucheinträgen geben. Und so sah das ganze dann heute aus:

6:40 Uhr

Fünf Minuten vor dem Wecker vom kreischenden und die Treppe heruntertrampelndem Kind3 geweckt. Was war passiert? Eigentlich nichts weiter. Sie wollte oben auf Toilette gehen und Kind2 war so „freundlich“ die Tür zu und das Licht aus zu machen. Philosophische Frage am Rande: Warum sind Lichtschalter für Badezimmer eigentlich außen, während sie bei allen anderen Zimmern innen sind?

Kühlschrank-Magnet "Früh-Kalt-Dunkel"

6:50 Uhr

Die Kinder frühstücken. Ich starre in meinen Kaffee und lausche dem Streit zwischen Mann und Kind1 um das Schulbrot. Der Sohn war die letzte Woche wegen eines sehr merkwürdigen Magen-Darm-Infektes zu Hause und will jetzt genau das aufs Brot, was er lt. Ärztin noch ein paar Tage meiden soll; die allseits bekannte Schoko-Creme nämlich. Die will er sonst nie! Aber heute natürlich. Gut, daß der Mann morgens die Aufgabe des Schnittchen-Schmierens übernimmt (danke mein Herz!). Als ausgeprägter (und bekennender) Morgenmuffel würde mich das komplett überfordern.

7:15 Uhr

Den ersten Kaffee getrunken, dem Sohn eine Entschuldigung für den versäumten Unterricht geschrieben und ihn dazu animiert seinen Schulrucksack zu packen. Nebenher Diskussionen über seine Teilnahme (oder nicht) am Sportunterricht geführt und alle drei Kinder dazu angehalten, sich die Zähne zu putzen. Der Mann war zwischenzeitlich kurz mit dem Hund und nimmt Kind1 jetzt mit bis zur Haltestelle. Durchatmen!

7:45 Uhr

Zum Glück ist Kind2 sehr selbständig und hat sich, während ich kurz auf Facebook vorbeigeschaut habe, komplett allein fertig gemacht. Kurze Erinnerungen die Brotdose und die Flöte (Unterricht in der 7. Stunde) einzupacken, werden mit einem gemaulten „Ja, ich weiß!“ quittiert. Nachdem ich ihr noch eben einen Pferdeschwanz gebunden habe, verlässt Kind2 das Haus.

8:34 Uhr

Während ich schnell unter die Dusche springe, sortiert Kind3 Büroklammern. Angezogen hat sie sich ausnahmsweise schon, puh. Es bleibt noch Zeit, eben das nötigste im Haushalt zu erledigen (Spülmaschine einräumen und anstellen, Tisch im Esszimmer und Arbeitsplatten in der Küche abwischen, Frühstücksbrettchen spülen, Rolläden in den Kinderzimmern hoch machen, durchlüften, Betten machen), dann sollte Kind3 um 8:30 Uhr das Haus verlassen. Mist, sie hat heute Sport, also auch ihr (unter „Sport-ist-doof“ und „das-ziept“-Gemaule) noch eben einen Pferdeschwanz machen. Mit 8:34 Uhr sind wir fast pünktlich und ich begleite sie noch ein Stück, weil sie mich drum gebeten hat und weil sie sonst die erste Hälfte des Weges allein laufen müßte. Außerdem ist das Wetter wirklich herrlich heute morgen.

9:00 Uhr

Wieder vom Schulweg zurück; alle drei Rechner (ein Vereins-Laptop, mein privater Laptop und der PC) laufen und ich wechsele mit meinem zweiten Kaffee zwischen drei verschiedenen Arbeitsplätzen: Mails und Anfragen lesen und beantworten, ein paar Einstellungen und Updates an der Homepage machen, ein paar der gestern geschriebenen Rechnungen drucken, hier die ersten Zeilen schreiben… (Wer sich jetzt wundert, daß ich das alles nicht von einem Rechner aus erledige: Zum einen kann ich derzeit nur vom PC aus drucken, zum anderen habe ich keine privaten Daten auf dem Vereins-Laptop und außerdem dankt mein Rücken es mir, daß ich dadurch öfter in Bewegung bin und ständig die Haltung wechsele).

9:47 Uhr

Die Schule von Kind1 ruft an: Der Sohn habe wieder Bauchweh und soll doch bitte abgeholt werden. Seufz. Ich dachte, das wäre ausgestanden. Liegt es wirklich nur an dem überstanden geglaubten Infekt oder stecken doch Schulprobleme dahinter? Vielleicht auch etwas völlig anderes, wie eine Nahrungsmittelunverträglichkeit? Ich vereinbare mit dem Lehrer E-Mail-Kontakt und ggf. einen Gesprächstermin und fahre grübelnd los, den Sohn abholen.

10:30 Uhr

Sohn abgeholt, mit Medikamenten und einem Körnerkissen versorgt und auf die Couch gebettet. Weiter im Text! Diverse Reisekostenabrechnungen müssen geprüft und die Überweisungen erledigt werden (ach nee, geht ja gar nicht; erst muß die Bank-Software neu installiert werden, denn das Programm hatte sich letztens verabschiedet), die Anmeldung für den AFS-Stillkongress wird gerade getestet, also eben mal schnell die Anmerkungen der Tester im vereinsinternen Forum durchgehen und ein, zwei Änderungen am Programm vornehmen. Noch mehr Mails wollen gelesen/bearbeitet/beantwortet werden. Dabei fällt mir auf, daß ich dringend mal mein Mail-Programm auf den Laptop umziehen müßte, aber wie geht das? Eine kurze Recherche ergibt, daß das wahrscheinlich eine längere Aktion ist, also vertage ich es kurzerhand.

11:20 Uhr

Mein Magen erinnert mich daran, daß durch das Abholen des Sohnes das Frühstück ausgefallen ist. Schnell mal eben zwei Toasts gemacht, die kann ich nebenher essen, während ich endlich die Überweisungen im neu installierten Programm mache. Zwischendurch noch schnell ein kurzer Schnack mit der Arbeitskollegin, die die Geschäftsstelle der AFS betreut (liegt irgendetwas dringendes an? wer bearbeitet wann was?) und mal nach Kind1 geschaut. Dort ist alles okay, das Bauchweh deutlich besser, der Fernseher läuft.

13:17 Uhr

Kind3 kommt aus der Schule. Wie schon? Nee, eigentlich die übliche Zeit. Das „Zeitsprung-Gefühl“ kommt wohl eher daher, daß ich spontan einen Teil der überquellenden *hust* Ablage erledigt habe.

13:45 Uhr

Nachdem Kind1 und Kind3 gemeinschaftlich Toast zu Mittag gegessen haben (dem Sohn scheint es wieder besser zu gehen, er verputzt vier Toasts mit Salami und Käse), begibt sich Kind3 an die Hausaufgaben und Kind1 zum Lesen nach oben. Unter „das-dauert-ja-Stunden“-Gezeter und „Mama-mit-welchem-Stift-soll-ich-das-machen?“-Fragen sitzt sie neben mir am Esstisch. Ich erledige derweil noch schnell ein paar Änderungen an Mitgliederdaten und als Kind3 dann endlich angefangen hat, ist sie auch innerhalb von fünf Minuten schon fertig. Siehe da! Der nette DHL-Mann, der mir meine Montag bestellte Wolle bringt, klingelt genau zur richtigen Zeit; Kind3 und ich sind beide gerade fertig geworden. Wir besprechen den restlichen Tagesablauf und Kind3 entscheidet, daß es sich nicht wohl fühlt und nicht zu der getroffenen Verabredung gehen möchte. Ich informiere die Mutter des Mädchens und bin schon dabei, mir Schuhe für die Hunderunde anzuziehen, als mir auffällt, daß die Zeit dafür gar nicht mehr reicht, also werfe ich einen Blick in die neue Mollie Makes, bis um…

14:35 Uhr

Kind2 aus der Schule kommt. Während Kind1 und Kind3 oben Spielzeug sortieren (wir haben in den Herbstferien die Kinderzimmer renoviert und die Kinder möchten einiges abgeben) und Kind2 zu Mittag ißt und danach ihre Hausaufgaben macht (dachte ich!), drehe ich eine schnelle Hunderunde, nehme die Wäsche mit nach unten, sortiere sie und stelle eine Maschine an.

15:20 Uhr

Kind2 hat mit den Hausaufgaben noch nicht mal begonnen, als ich wieder nach oben komme, denn dafür sind zwei Würfel (?) erforderlich. Also begeben wir uns erstmal auf Würfelsuche.

15:40 Uhr

Kind2 ist wie üblich schnell durch mit den Hausaufgaben und verabschiedet sich zum Fahrradfahren in der Nachbarschaft. Leider sehe ich erst beim Einsammeln der Halloween-Deko, daß sie (auch wie üblich) ihren Kram (Müll, Schere, Buch, Tornister, Stifte, Spielzeug) quer in der Wohnung verteilt hat. Nach 10 Minuten ist sie jedoch schon wieder da, mal wieder hat kein Nachbarskind Zeit zum Spielen. Schade! Ich räume noch schnell das Nötigste auf und erinnere die Kinder an ihre Küchendienste (Müll runterbringen, Spülmaschine ausräumen und Tisch decken), schlichte zwischendurch Streit, höre mir Schulgeschichten an und bereite das Abendessen vor (Suppengemüse kleinschneiden, zusammen mit den Hühnerbeine anschmoren und aufgießen, denn Hühnersuppe braucht ja ein bißchen, nech?).

16:50 Uhr

Die Suppe kocht, eigentlich wollte ich mich heute noch an die Nähmaschine setzen, aber die Kinder bitten um Unterstützung beim sortieren. Nachdem mir noch ein Telefonat dazwischen gekommen ist, ist meine Hilfe nicht mehr gefragt (es wird jetzt gespielt statt sortiert) und ich schleiche mich an die Nähmaschine. Bügeln, zuschneiden, nähen; als der Mann gegen

18:20 Uhr

nach Hause kommt, ist die neue Hose für Paul, meine Tragepuppe, fertig. Einkäufe wegräumen, die Suppe fertig machen und die Kinder erledigen auch endlich ihre Dienste, so daß wir gegen

18:50 Uhr

zu Abend essen können. Nach dem Essen verschwinden die Kinder dann noch eine halbe Stunde vor dem Fernseher und der Mann und ich haben ein bißchen Zeit zu quatschen. Während ich dann die Kinder ins Bett bringe, hängt der Mann noch schnell die Wäsche auf und geht mit dem Hund.

21:00 Uhr

Wir sitzen auf der Couch, der Mann schaut „The Walking Dead“ (die aufgenommenen Folgen der letzten Tage) und ich wollte eigentlich noch die Wäsche zusammen legen, die hier schon seit Tagen rumsteht und diesen Blogpost zu Ende schreiben, aber irgendwie bin ich wohl eingeschlafen ;), deshalb halt eben erst heute.

Und weil Frau Brüllen an jedem 5. des Monats Tagebuch-bloggen-Beiträge sammelt, wandert dieser nun hier in die Linkliste.

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