Halloween, Samhain, Allerheiligen? Oder doch Sankt Martin?


Kürbiswindlicht

In der letzten Woche häufen sich in meiner Timeline die Rants und Beiträge mit Beschwerden zu Halloween und dem Aufruf, sich dieser „neumodischen, amerikanischen“ Tradition zu verweigern und stattdessen lieber Sankt Martin zu feiern.

Halloween

Liebe Leute, ihr seid da einem Irrtum aufgesessen. Zum einen ist der Ursprung von Halloween weder in Amerika, noch ist es ein wirklich neues Fest, zum anderen ist die Sankt Martins-Tradition, wie sie heute gefeiert wird, nicht so alt, wie ihr wahrscheinlich denkt. Der Ursprung von Halloween liegt in dem alten keltischen Fest Samhain. Samhain (oder im englischen auch Halloween als Verballhornung der Phrase All Hallows Eve) markiert in der keltischen Tradition das Ende des Sommers und den Beginn des Winterhalbjahres.

Mumienteelichter

Wie bei allen keltischen Festen glaubten die  Menschen, daß zu dieser Zeit des Jahres die Verbindung zwischen Diesseits und Jenseits besonders durchlässig ist und die Toten an diesem Abend die Erlaubnis hätten, an den Ort ihres früheren Lebens zurückzukehren. Um an diesem Abend der verehrten Ahnen zu gedenken und ihnen den Weg zu leuchten, wurden Laternen aus Rüben geschnitzt (jaja, die Kürbisse kommen wirklich aus Amerika ;), aber das „Rübengeistern“ ist ein bei uns durchaus auch bekannter Brauch) und Opfer gebracht, um sie freundlich zu stimmen.  Da man sich aber nie sicher sein konnte, ob sie einem nun wirklich wohlgesonnen waren, verließ man in dieser Nacht nach Möglichkeit nicht das Haus. Blieb einem keine andere Möglichkeit, dann verkleidete man sich möglichst gruselig, damit man von den Sidhé für einen der ihren gehalten wurde.

Sankt Martin

Bis um 1800 herum war Sankt Martin das Ende des bäuerlichen Wirtschaftsjahres. Tiere, die den Winter nicht überlebt hätten, wurden geschlachtet und für die Ernte des vergangenen Sommers gedankt. Es wurden Martinsfeuer abgebrannt und Bräuche wie „Sprung übers Feuer“ oder Tänze um das Feuer zelebriert (klingt doch eigentlich nach etwas, das man eher mit keltischen „heidnischen“ Bräuchen verbindet, gell?).

Der inhaltliche Bezug zu dem Heiligen Sankt Martin wurde vermutlich erst irgendwann im 19. Jahrhundert hergestellt.

Brauchtum, Tradition und Christianisierung

Allerheiligen, Erntedank, Sankt Martin und noch einige andere (Weihnachten und Ostern z.B.), heute als christlich anerkannte und gefeierte Feste, greifen Brauchtümer und Traditionen auf, die weit älter sind und im Laufe der Geschichte immer wieder Neuinterpretationen und Umdeutungen unterworfen wurden. Interessant finde ich persönlich, daß viele alte Bräuche und Legenden sich ähneln und ihr Ursprung gar nicht mehr konkret genannt werden kann. Genau wie Sprache passt sich aber das Brauchtum an die Bedürfnisse der Menschen und die Art, wie sie ihre Traditionen leben, an.

Da unsere Kinder es lieben, sich zu verkleiden und auch der Gruselfaktor zur Zeit ungemein spannend ist, werden wir also unsere eigenen Halloween-Traditionen (jenseits vom Mainstream und Trick-or-Treat) erschaffen.

Dazu passt hervorragend einer meiner Lieblingssprüche:

Tradition ist nicht das Bewahren von Asche, sondern die Weitergabe von Feuer

In diesem Sinne: welche Tradition ihr in eurer Familie lebt, und welchen Feiertag ihr heute, morgen oder in den nächsten Tagen auch feiert, ich wünsche für heute jedenfalls

Happy Halloween

 

Spinne

PS: Wer noch ein paar (auch Last-Minute) Ideen braucht, ist herzlich eingeladen, einmal auf meinem Pinterest Board zu stöbern.

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