Equal Pay Day, Feminismus, Vereinbarkeit und warum sich so nichts ändern wird



Pippi

Feminismus und Sprachgebrauch

Immer öfter begegnen mir in Foren und Facebook-Kommentaren Sätze wie

  • den Besuch des Seminars hab ich meinem Mann abgebettelt
  • Nach der Geburt will ich ab dann und dann wieder arbeiten gehen. Mein Mann ist einverstanden
  • ich muß die Kinder zu meiner Fortbildung mitnehmen, ich kann meinem Mann an seinem freien WE nicht zumuten auf sie aufzupassen

Naja, möglicherweise sind solche Sätze auch nicht häufiger zu finden als früher, vielleicht bin auch einfach nur ich sensibler geworden? Oder vielleicht liegt es auch (mit) daran, daß ich im Rahmen meiner Arbeit als Trageberaterin und ehrenamtliche Stillberaterin nun mal hauptsächlich mit Müttern zu tun habe. Müttern, die Wert darauf legen, eine gute Beziehung zu ihren Kindern zu haben. Für viele dieser Mütter gehört dazu auch, nach der Geburt erstmal (mehr oder weniger lange) zu Hause zu bleiben und sich um das Kind/die Kinder zu kümmern. Was das für finanzielle Auswirkungen hat, dazu hat Sabrina vom Vereinbarkeitsblog heute morgen schon geschrieben (hier).

Solange das eine eigene, bewußte Entscheidung ist und nicht irgendeiner Erwartungshaltung oder äußeren Umständen geschuldet, bleibt das ja jeder/m selbst überlassen. Auch ich bin beispielsweise nach der Geburt meiner Kinder lange in Elternzeit gegangen, weil mir klar war, daß der Job, den ich hatte (Bilanzbuchhalterin, leitende Position, 60h+ pro Woche) nicht mit meiner Vorstellung von Familienleben und Kindererziehung zusammenpasste. Aber: Das war meine Entscheidung. Ich habe mich dann später selbständig gemacht, weil das mein Herzensding war; ich habe (noch etwas später) einen Minijob angenommen, weil mir die Arbeit der AFS wichtiger ist, als möglichst viel Geld zu verdienen (und ich bin nach wie vor meinem Mann dankbar dafür, daß er diese Entscheidungen mit trägt, und daß er mir die Möglichkeit gibt, das zu tun, was ich liebe, auch wenn wir uns finanziell deutlich besser stehen würden, wenn ich komplett (egal ob Voll- oder Teilzeit) in meinen alten Beruf zurückkehren würde).

Niemals käme ich aber auf die Idee für etwas, was mir wichtig ist, meinen Mann „um Erlaubnis“ zu fragen oder ob er „etwas dagegen“ hat. Wenn wir uns um solche Dinge streiten (und das kommt häufig genug vor), dann geht es dabei nie um das ob, sondern immer um das wann und wie (lies: die ganz alltäglichen Organisationsfragen). Für mich ist es selbstverständlich, daß beide Partner das gleiche Recht auf (berufliche) Selbstverwirklichung haben. Denn welcher Mann würde schließlich seinen Freunden oder gar seinem Chef gegenüber so etwas sagen, wie: „Ich nehme die Beförderung an, meine Frau hat nichts dagegen“?

Natürlich haben wir damals darüber gesprochen; durchgerechnet, ob wir uns das leisten können und über die (nicht nur finanziellen) Konsequenzen gesprochen. Aber, das haben wir als Paar getan. Gleichberechtigt! Und genau so verbalisieren wir das auch.

Und genau das ist der Punkt: #Feminismus fängt schon beim alltäglichen Sprachgebrauch an!

Denn was leben wir unseren Kindern sonst vor?

Wenn ich mich selbst restlos aufopfere für die Kinder, entwickeln sie die Einstellung, dass ich als Frau und Mensch nicht wichtig bin.  (Quelle: Phoenix-Frauen)

Und dazu gehört eben auch, daß wir das so sagen. Wie sollen unsere Kinder es sonst jemals besser machen, wenn sie mit solchen Aussagen aufwachsen?

Vereinbarkeit

Was die oben erwähnten Zitate mit #Feminismus zu tun haben, erschließt sich wahrscheinlich den meisten, aber wieso #Vereinbarkeit?

Als meine Mutter 1971 direkt nach meiner Geburt wieder arbeiten ging, gab es noch den § 1356 BGB:

 § 1356 BGB Absatz 1: „[1] Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung. [2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.“ (Quelle: wikipedia)

Merkt ihr was? Pflichten in Ehe und Familie hatte damals nur die Frau. Und wenn ich solche Sätze wie die oben lese, dann denke ich immer, daß sich in den Köpfen leider noch nicht viel geändert hat. Nur, wie soll eine echte Vereinbarkeit gewährleistet sein, wenn die Frauen nicht bereit sind, die Männer „in die Pflicht“ zu nehmen? Wenn sie (immer noch) ganz selbstverständlich davon ausgehen, daß sie (noch neben ihrem Beruf) für den überwiegenden Anteil an Hausarbeit und Kindererziehung verantwortlich sind?

Vereinbarkeit für ALLE können wir nur dann erreichen, wenn Frauen die Beteiligung ihrer Partner auch einfordern, denn die meisten begeben sich leider nicht freiwillig aus ihrer Komfort-Zone.

Und was hat das Ganze nun mit dem #equalpayday zu tun?

Nun ja, zuallererst einmal ist der dieses Jahr heute. Und ein guter Anlaß, diesen Post, der mir schon seit ein paar Tagen im Kopf herumschwirrt endlich „zu Papier“ zu bringen.

Zum anderen hätten wir als Familie damals die Wahl gehabt, ob mein Mann zuhause bleibt oder ich, oder ob wir z.B. beide Teilzeit arbeiten. Weil mein Mann und ich beinahe genau gleich viel verdient haben. Viele andere haben diese Wahl aber nicht (nicht wirklich), weil Frauen für die gleiche Arbeit immer noch nicht das gleiche Geld bekommen. Dadurch ist vielen Familien eine wirklich gerechte Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit einfach finanziell nicht möglich.

Weder die äußeren Umstände (Arbeits- und Kinderbetreuungszeiten z.B.), noch die gesetzlichen Regelungen und erst recht nicht die Bezahlung werden sich aber ändern, solange wir es nicht einfordern und auch Männer ganz selbstverständlich in Elternzeit gehen oder Teilzeitstellen beanspruchen, weil ihr als Partner das so entschieden habt.

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Und wenn ihr euch als Paar dafür entschieden habt, daß (aus welchem Grund auch immer) ein Partner zuhause bei den Kindern bleibt? Ja Himmel noch mal, dann sagt das doch auch so! Gleichberechtigte Partner müssen sich nicht um Erlaubnis bitten!

In diesem Sinne:

Sei Pippi nicht Annika!

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